Eine Solaranlage auf dem eigenen Dach ist für viele Hausbesitzer attraktiv, doch nicht jeder möchte oder kann die erforderliche Investition stemmen. Hier kommt Solar Contracting ins Spiel: Ein Modell, bei dem ein externer Anbieter die Solaranlage auf Ihrem Dach finanziert, plant, installiert und betreibt, während Sie den produzierten Solarstrom zu einem günstigen Tarif nutzen können. In diesem Artikel erklären wir, wie Solar Contracting funktioniert, welche Modelle es gibt und für wen sich dieses Konzept besonders lohnt.
Solar Contracting ist in der Schweiz ein wachsendes Segment. Immer mehr Energieversorger, spezialisierte Contracting-Unternehmen und auch Solarinstallateure bieten solche Modelle an. Das Grundprinzip ist einfach: Der Contractor traegt die gesamten Investitionskosten und das technische Risiko, während der Hauseigentuemer von günstigem Solarstrom profitiert, ohne selbst investieren zu müssen.
Wie funktioniert Solar Contracting?
Beim Solar Contracting schliesst der Hauseigentuemer einen langfristigen Vertrag mit einem Contracting-Unternehmen ab. Der Contractor plant und installiert die Solaranlage auf dem Dach, traegt alle Kosten für Material, Montage und Netzanschluss, betreibt und wartet die Anlage während der gesamten Vertragslaufzeit und verkauft den produzierten Solarstrom an den Hauseigentuemer zu einem vertraglich vereinbarten Tarif, der unter dem Tarif des lokalen Energieversorgers liegt.
Der Hauseigentuemer stellt lediglich sein Dach zur Verfuegung und verpflichtet sich, den produzierten Solarstrom abzunehmen. Der überschuessige Strom wird ins Netz eingespeist, wobei die Einspeisevergütung dem Contractor zufliesst.
Verschiedene Contracting-Modelle
Es gibt verschiedene Contracting-Modelle. Beim klassischen Anlagen-Contracting bleibt die Solaranlage im Eigentum des Contractors. Nach Ablauf des Vertrags geht die Anlage häufig zum Restwert oder kostenlos an den Hauseigentuemer über. Beim Leasing-Modell zahlt der Hauseigentuemer eine monatliche Rate und nutzt den gesamten produzierten Strom selbst. Beim Einspar-Contracting garantiert der Contractor eine bestimmte Energieeinsparung.
Vorteile und Nachteile
Der grösste Vorteil ist die fehlende Anfangsinvestition. Der Hauseigentuemer geht kein finanzielles Risiko ein und profitiert vom ersten Tag an von günstigerem Strom. Die professionelle Wartung durch den Contractor stellt sicher, dass die Anlage optimal laeuft. Auf der anderen Seite bedeutet Contracting eine langfristige Bindung von 15 bis 25 Jahren, und die Gesamtrendite ist geringer als bei einer Eigeninvestition.
Solar Contracting eignet sich besonders für Hauseigentuemer, die kein Eigenkapital aufbringen können oder wollen, die das technische Risiko scheuen, oder die langfristig nicht mehr selbst in die Liegenschaft investieren möchten. Wer über das noetige Kapital verfügt, ist mit einer eigenen Solaranlage in der Regel besser beraten.
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Vertragslaufzeiten und Konditionen im Detail
Die Vertragslaufzeiten beim Solar Contracting in der Schweiz bewegen sich typischerweise zwischen 15 und 25 Jahren. Während dieser Zeit zahlt der Hauseigentümer einen vertraglich festgelegten Strompreis, der in der Regel 10 bis 25 Prozent unter dem lokalen Netztarif liegt. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 27 Rappen pro kWh bedeutet das einen Contracting-Tarif von rund 20 bis 24 Rappen. Über die gesamte Vertragslaufzeit summieren sich die Einsparungen für ein typisches Einfamilienhaus auf CHF 8’000 bis CHF 15’000. Wichtig ist die genaue Prüfung der Vertragsklauseln: Achten Sie auf Preisanpassungsmechanismen, Kuendigungsfristen, Regelungen bei Eigentümerwechsel und die Übernahmekonditionen nach Vertragsende.
Einige Contracting-Anbieter in der Schweiz bieten flexible Modelle mit kürzeren Laufzeiten von 10 bis 15 Jahren an. Diese haben zwar einen höheren monatlichen Tarif, ermöglichen aber eine frühere Übernahme der Anlage. Bei der Vertragsgestaltung sollte auch die Wartungsverantwortung klar geregelt sein. Serioöse Contractor übernehmen die vollständige Wartung inklusive Monitoring, Reinigung und gegebenenfalls den Ersatz defekter Komponenten. Die Versicherung der Anlage liegt ebenfalls beim Contractor, was den Hauseigentümer von diesem Aufwand entlastet. Besonders attraktiv sind Modelle mit einer Kündigungsoption nach 10 Jahren: Der Eigentuemer kann die Anlage zum Restwert übernehmen oder den Vertrag weiterführen. Der Restwert wird in der Regel linear über die Vertragslaufzeit abgeschrieben und beträgt nach 10 Jahren typischerweise noch 40 bis 50 Prozent der ursprünglichen Investitionskosten.
Contracting-Anbieter in der Schweiz und Qualitätskriterien
Der Schweizer Markt für Solar Contracting wird von verschiedenen Anbietertypen bedient. Grosse Energieversorger wie die BKW, Alpiq Solar und CKW bieten eigene Contracting-Modelle an und bringen langjährige Erfahrung im Energiebereich mit. Daneben haben sich spezialisierte Unternehmen wie Helion, Edisun Power und verschiedene regionale Anbieter etabliert. Bei der Auswahl eines Contractors sollten Sie auf mehrere Qualitätskriterien achten: die finanzielle Stabilität des Unternehmens ist entscheidend, da der Vertrag über viele Jahre läuft. Prüfen Sie Referenzen und die Anzahl bereits realisierter Projekte. Fragen Sie gezielt nach der Bonität des Unternehmens und ob es über eine ausreichende Haftpflichtversicherung verfügt. Ein Contractor sollte mindestens 50 Anlagen im Portfolio haben und über 5 Jahre Markterfahrung verfügen.
Ein weiteres Kriterium ist die Transparenz des Angebots. Seriöse Anbieter legen alle Kosten offen und erklären die Berechnungsgrundlagen für den Stromtarif. Achten Sie darauf, dass der Contractor eine Swissolar-Mitgliedschaft oder ähnliche Qualitätszertifizierungen vorweisen kann. Auch die verwendeten Komponenten sollten von etablierten Herstellern stammen und über entsprechende Garantien verfügen. Im Kanton Zürich sind derzeit über 20 zertifizierte Contracting-Anbieter aktiv, im Kanton Bern rund 15. Die kantonalen Energieberatungsstellen führen Listen mit zugelassenen Anbietern und können bei der Vorauswahl helfen. Vergleichen Sie mindestens drei Angebote, bevor Sie sich für einen Contractor entscheiden, und lassen Sie den Vertrag von einer unabhängigen Stelle prüfen. Die Verbraucherzentrale Ihres Kantons bietet oft kostenlose Vertragsprüfungen an. Achten Sie auch auf die Regelungen im Falle eines Eigentuemerwechsels: Bei einem Verkauf der Liegenschaft muss der neue Eigentuemer den Contracting-Vertrag in der Regel übernehmen, was den Verkaufsprozess beeinflussen kann.
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Eine Solaranlage ist eine langfristige Investition, die angemessen abgesichert werden sollte. In der Schweiz deckt die kantonale Gebäudeversicherung in vielen Kantonen fest installierte PV-Anlagen automatisch mit ab – prüfen Sie dies jedoch explizit bei Ihrer Versicherung. In Kantonen ohne obligatorische Gebäudeversicherung wie Genf, Appenzell Innerrhoden oder Wallis empfiehlt sich eine separate Allgefahrenversicherung für die Anlage. Diese kostet typischerweise CHF 80–150 pro Jahr und deckt Hagelschäden, Blitzeinschläge, Sturmschäden, Feuer und sogar Ertragsausfälle ab. Besonders in hagelgefährdeten Regionen wie dem Emmental oder dem Seeland ist dieser Schutz wichtig. Zusätzlich sollte die Betreiberhaftpflicht gedeckt sein – bei Schäden durch die Anlage an Dritten. Die meisten Schweizer Privathaftpflichtversicherungen schliessen kleinere PV-Anlagen bis 30 kWp automatisch ein.